Herr Ressi fand das Glück Der Bärenwirt von Manuel und Claudia Ressi in Hermagor ist "Wirtshaus des Jahres 2018"

Das S-Magazin ist das offizielle Magazin des Restaurants Steirereck. Das Magazin erscheint 4 x jährlich und wird von Heinz und Birgit Reitbauer herausgegeben.

Diese Story stammt aus der aktuellen Ausgabe 10, Text Achim Schneyder, Fotos Mirco Taliercio. Der Koch.Campus dankt dem Steirereck und ALBA Communications für die Möglichkeit diese Story über Manuel Ressi und den Bärenwirt in Hermagor zu posten.

Das S-Magazin kann über wien@steirereck.at bestellt werden und kostet 8,- Euro zzgl. Versand.

 

 

Der Bärenwirt in Hermagor ist Österreichs „Wirtshaus des Jahres 2018“ im Gault Millau Österreich. Hier kocht Manuel Ressi, Heinz Reitbauers langjähriger Souschef im Steirereck. Und Manuels Ehefrau Claudia schupft den Laden als Gastgeberin gleichermaßen liebevoll wie aufmerksam.

„Manuel und ich waren ein bestens eingespieltes Team, es herrschte blindes Verständnis. Und wenn so einer geht, muss man sich schon ein wenig neu orientieren“, blickt Heinz Reitbauer zurück. „Manuel war – und ist es natürlich immer noch – ein unglaublich kreativer Geist, ein Handwerker, ein Tüftler, ein Bastler. Einer, der vor nichts eine Scheu hatte, einer, der für alles offen war, einer, von dem immens viel Input kam, einer, dem ich stets vertrauen konnte.“ Und einer, dessen Steirereck-Karriere nicht erst im Stadtpark unter Heinz Reitbauer junior ihren Lauf nimmt, denn zuvor schon kocht Manuel Ressi drei Jahre im alten Steirereck in der Rasumofskygasse unter Helmut Österreicher, dem Küchenchef von Heinz Reitbauer senior. Insgesamt sind es am Ende etwas mehr als elf Jahre.

Trotz aller Harmonie und Eintracht – 2013, als Manuel bereits 36 Lenze zählt, beschäftigen das Ehepaar Ressi immer öfter zwei wesentliche, vor allem zwei richtungsweisende Fragen: Wo wollen wir alt werden? Und wo wollen wir unsere Töchter Valentina und Ella, die damals zwei und vier sind, beim Aufwachsen begleiten? Außerdem will Manuel, wie er heute sagt, „ein wenig runterkommen“. Auf der Suche nach einer Antwort werden Claudia und ihr Mann in ihrer Heimat fündig. In Kärnten. Im Gailtal. Und somit ist’s auch geografisch ein Runterkommen… Die erste berufliche Station: das Wirtshaus Plamenig in Latschach bei Hermagor, wobei von Anfang an klar ist, dass es sich hier vermutlich nicht um den letzten Schritt in Richtung Selbstständigkeit handeln kann.

Das Vergnügen ist ein doch recht kurzes, denn eines baldigen Tages ist der Bärenwirt im Altstadtherzen Hermagors im Gailtal zur Pacht zu haben. Und da lassen sich die Ressis natürlich nicht zweimal bitten. So trennt man sich also im Guten vom Plamenig und startet im Herbst 2015 mit der heiß ersehnten Selbstständigkeit. „Spätestens zu diesem Zeitpunkt waren wir endgültig angekommen“, sagt Manuel. Und es wäre nicht weiter verwunderlich, handelte es sich beim Bärenwirt tatsächlich um die letzte Station im kulinarischen Leben der Familie Ressi.

Angekommen in Hermagor

Langsam verdunkelt sich der Himmel über dem Hauptplatz zu Hermagor, wo der Bärenwirt in einem alten Bürgerhaus gegenüber der Kirche seine schnörkellos eingerichtete Heimat hat. Und dann wird serviert. Traditionelle Kärntner Kirchtagssuppe vorweg, herrlich safrangelb und reich an Lamm und Huhn und Rind und Schwein. Danach gibt’s – extra für den ehemaligen Chef, weil der das so gern mag – gefüllte Kalbsbrust mit einem wahrhaft sagenhaften Potpourri an Beilagen.

Das Wirtshaus, seit über hundert Jahren beliebter Treffpunkt in der Bezirkshauptstadt, ist voll. Das Stüberl wie auch das gemütliche Esszimmer. Touristen, Reisende wie die Reitbauers, Einheimische, sie alle sind da und haben die Wahl.

Die Wahl zwischen Wiener Schnitzel oder konfiertem Saibling, gebratener Kärntner Kasnudel oder Wolfsbarsch, Gulasch oder Lamm, Humus oder Hendl, Beuschel oder Bio-Angus… „Wie schon beim Plamenig“, sagt Manuel. „Es muss für jeden etwas dabei sein, auch für den einfachen Arbeiter, dessen kulinarischer Horizont vielleicht ein wenig eingeschränkter ist. Und leistbar muss es sein. Dann kommen die Einheimischen und dann kommen sie gern. Und haben keine Berührungsängste.“

Der große und der kleine Bär

Beim Bärenwirt hat sich ein Kreis geschlossen. Denn gelernt hat Manuel unter Alfred Süßenbacher im weithin bekannten Bleibergerhof, der keine 30 Autominuten entfernt ist. „Obwohl Koch als Kind nie mein Traumberuf war und ich auch aus keiner Gastronomiefamilie stamme. Aber nach der Pflichtschule musste ich eine Entscheidung treffen: Weitermachen bis zur Matura, oder doch einen Beruf erlernen. Ich entschied mich für den Beruf. Und für Koch deswegen, weil ich mir dachte, da würde man gutes Geld verdienen und ein bisserl was von der Welt sehen.“ Gut, von der Welt hat Manuel als Koch nicht allzu viel gesehen, weil’s nach Stationen in Kärnten und Deutschland bald nach Wien ins Steirereck ging. „Und dass ich dort so lange bleiben würde, damit war auch nicht unbedingt zu rechnen.“

  • Manuel Ressi, Bärenwirt

In Hermagor wird er, sofern nichts Gravierendes dazwischenkommt, wohl ewig bleiben. Er und seine Frau Claudia. Dafür spricht nicht zuletzt der Kleine Bär. Schräg gegenüber, also links neben der Kirche, haben die Ressis nämlich ein Haus gekauft, renoviert und hergerichtet. Ein großzügiges Gäste-Apartment unter dem Dach, zwei schmucke Doppelzimmer im ersten Stock und im Parterre eine Schauküche, ein Shop, ein Extraraum mit großem Tisch und eine Sonnenterrasse. „Im Shop gibt’s Produkte von Produzenten aus der Region, die wir in unserer Küche verarbeiten und abfüllen, weil wir uns ein wenig als Drehscheibe der heimischen Landwirte verstehen“, sagt Claudia. In der Küche wiederum sollen künftig Kurse abgehalten werden, und weil die Terrasse so schön ist und viele Freunde und Bekannte danach gefragt haben, hat Claudia hier ein kleines Café eröffnet.

(Resumée Klaus Buttenhauser) Für die Gäste der Region – und für die Einheimischen – ist der Bärenwirt ein liebenswertes und hochqualitatives Gasthaus im positivsten Sinne. Ein faszinierendes kulinarisches Universum, das den Produkten des Gailstals eine perfekte Bühne bietet. Was kann mich sich noch mehr wünschen?

Gasthaus Bärenwirt
Claudia und Manuel Ressi
Hauptstraße 17
9620 Hermagor
Tel.: +43/4282/2052

Öffnungszeiten
Di. 17–23 Uhr
Mi.-Sa. 11–23 Uhr
So. 11–16 Uhr

manuelressi.com