BIERGUT WILDSHUT Bio-Kreislaufwirtschaft rund um´s Bier

Heinrich Dieter Kiener ist nicht nur der größte private Bierbrauer in Österreich – er ist auch ein Mensch mit Visionen und Weitblick. Erlebbar wird das am besten am Stiegl-Gut Wildshut, ca 30 Kilometer nördlich von Salzburg, an der Grenze zwischen dem Flachgau und dem Innviertel unweit der Grenze zu Bayern. „In unserer Gesellschaft vollzieht sich ein Wertewandel. Die Menschen achten wieder mehr auf Regionalität, Verantwortung, Tradition und Respekt gegenüber dem Wert der vermeintlich einfachen Dinge. Das Motto unserer Wirtschaft sollte generell ‚besser statt billiger‘ lauten. Auf dieser Denkweise baut Wildshut auf“, beschreibt Heinrich Dieter Kiener seine Vision einer nachhaltigen Lebensmittelproduktion.

Das von ihm und seiner Frau Alessandra gegründete „Biergut“ ist eine ganz besondere Kreislaufwirtschaft rund um das Brauen und das Bier: Brauerei, Bio-Landwirtschaft mit Humus-Aufbau und Fruchtwechselwirtschaft, Zucht alter Nutztierrassen, Bäckerei, Brennerei, Bienenzucht, Gastwirtschaft und ab-Hof-Laden in einem ausgeklügelten System. Ein kleines Universum, das europaweit, wahrscheinlich auch weltweit, seinesgleichen sucht!

  • Kreislaufwirtschaft zum Angreifen. Das Stiegl-Gut Wildshut ist das 1. Biergut Österreichs. Bild: Marco Riebler

Als einzige Braustätte Österreichs produziert man hier alle Bierzutaten wie Hopfen und Biergetreide selbst. Heinrich Dieter und Alessandra Kiener setzen dabei auf typische Urgetreidesorten wie Einkorn, Dinkel, Emmer und Raritäten wie alpine Pfauengerste, schwarze Nacktgerste, Schwarzhafer oder Laufener Landweizen. Die Getreide werden am Biergut in einer Demeter-zertifizierten Mälzerei verarbeitet und zu Bieren eingebraut.

Wildshuter Sortenspiel, die „gmahde Wiesn“ und die Wildshuter Männerschokolade (Foto: Markus Bassler)

Kreativbraumeister Markus Trinker, vom Gault Millau erstkürzlich zum Braumeister 2018 gekürt, produziert hier einige bemerkenswerte Biere wie die „Wildshuter g´madhe Wiesn“, das „Sortenspiel“ oder die „Männerschokolade“, ein Porter. Von der Weinwirtschaft entlehnt sind große, 1000 Liter fassende, in der Erde vergrabener Amphoren, in den etwa das „Urbier“ reift – so wie im alten Mesopotamien der Wein. Markus Trinker ist einer der wenigen Braumeister der auch brennt: Bierbrände und Whiskeys reifen in kleinen Holzfässern.

„Brauen beginnt bei uns schon am Feld“, erklärt Alessandra Kiener die besondere Bedeutung der Bio-Landwirtschaft in Wildshut. „Die Voraussetzung für beste Gerste und Hopfen sind gesunde, gute Böden. Und so probieren wir in unserer Bio-Landwirtschaft aus, wie es anders geht!“

Dank ausgeklügelter Fruchtfolgewirtschaft, Humusaufbau und Düngung aus eigener Produktion – mit Gülle, Kompost und Jauche – ist hier über die Jahre ein absoluter Vorzeigebetrieb entstanden. Besonders stolz sind die Kieners, dass es auch gelungen ist, Kieselgur, das in der Bierproduktion als Filtermaterial verwendet wird, auch als Dünger zu verwenden und damit die Kreislaufwirtschaft noch „runder“ zu machen.

Pinzgauer Rinder, Mangalitza-Schweine, Braune Bergschafe und mächtige Noriker, eine typische Pferderasse des salzburgisch-bayrischen Raums, komplettieren Wildshut zu einem vorbildlichen Bio-Betrieb. Zudem werden auch Butter, Topfen, Käse, Würste, Bio-Fleisch, Brot und Honig produziert. All das kann man im „Kråmerladen“ und einer Gastwirtschaft kosten, essen, trinken und kaufen.

Das große Anliegen der Eigentümerfamilie Kiener, die Vielfalt der Kulturpflanzen auch für nachkommende Generationen zu schützen und zu bewahren, wird hier auf bestmögliche Art gepflegt.

Biergut Wildshut
Do-Sa 12 bis 22 Uhr, Sonn- und feiertags 10 bis 20 Uhr.
Infos, Reservierungen und Führungen unter Tel. +43/6277/64141
www.biergut.at.

Copyrigth: Fotos von Marco Riebler, Gabi Scheinast, Markus Bassler und Leo Neumayr